15.12.15

GALERIE-BEOBACHTUNG


Der dicke Mann verschränkt die fetten Arme
und kratzt sich vor dem Bild das Doppelkinn.
Die Ehefrau ist eine "feine Dame"
und folgt ihn, wie ein Wauwau, überallhin.

Doch wenn der Dicke plötzlich stehenbleibt,
dann bleibt auch diese Dame plötzlich stehen
und wenn er lange denkt und lange schweigt,
kann man sie endlos lange grübeln sehen.

Doch da der Mann nach Hause reisen will,
legt sie sich um den Hals ein totes Tier
und wird wohl nie und niemals wieder still
und greift gehetzt die Klinke uns'rer Tür.

22.11.15

AN DIE EGOISTEN


Wer im Leben nur sich selbst hat,
bleibt bis zu dem Tod beschränkt,
auch wenn er mit and'ren lacht
und den roten Wein einschenkt.
Auch wenn er gesellig ist
und oft froh und heiter bleibt
und die hübsche Frau vermisst,
wenn der Mond am Abend scheint.

Wer im Leben nur sich selbst hat,
bleibt sein Leben lang beschränkt!
Wer nicht meint, was froh er sagt,
unermüdlich an sich denkt
und mit allen Späße macht
und oft fein gesellig tut,
bleibt, am Tag und in der Nacht,
nur ein Arsch mit totem Blut!

05.11.15

VERZWEIFLUNG I


Man ist der Letzte auf der Welt,
der alle stur und lang anschweigt
und der auch einen Füller hält
der nie und niemals wieder schreibt
und dem nichts Neues mehr einfällt,
was ihm noch in den Wahnsinn treibt!
Man ist der Letzte, der noch wacht
und träumt, wie Füller hüpft und springt,
und dem die lange Winternacht
doch keinen neuen Einfall bringt…

03.11.15

BALLADE VON DEN 
SCHICKSALSGÖTTINNEN


1

Da wir den Augenblick des Todes wissen
und großen Teppich uns'res Schicksals weben,
sind Menschen in den Hades heut' gerissen,
die gestern auf der kleinen Erde lebten.
Von Krankheit und dem Weltenschmerz umgeben,
lebt jeder Mensch nur eine kurze Zeit
und muss sich seinem Schicksal sanft ergeben
und hat sich davon niemals recht befreit.

Wir wissen um das Werden und Vergehen
und um des Menschen Todesaugenblick.
Wir können in die schwarze Zukunft sehen.
Wir schauen weder heut noch morgen zurück.
Die armen Menschen fühlen sich verloren!
Sie können sich vom Schicksal nicht befrei’n
und immer wieder wird ein Mensch geboren
und bleibt bis zu dem dunklen Ende allein.

2

Die Seelen schwimmen in dem großen Meer.
Sie werden alle hin- und hergetrieben
und irren in dem dunklen Hades umher
und finden niemals ihren Seelenfrieden.
Sie schreien schrill, wie alte, alte Weiber.
Man hört der schrillen Schreie Widerhall.
Doch, ach, wir weben immer weiter, weiter
und alle Menschen sterben überall.

Da wir den Augenblick des Todes wissen
und großen Teppich uns'res Schicksals weben,
sind Menschen in den Hades heut' gerissen,
die gestern auf der kleinen Erde lebten.
Sie leben hier mit Schmerz und großer Qual.
Die Seelen werden immer wieder schreien,
denn niemand wird sich wohl vom Schicksal
in seinem kurzen Leben je befreien.

02.11.15

ALLTAGSTRISTESSE


Alle Menschen sind soeben
aus dem Bett und Schlaf gekrochen.
Alle rennen durch den Regen.
Alle haben nasse Socken.
Alle rennen durch die Stadt.
Alle sind sie Tagediebe.
Alle sind sie müd’ erwacht
und an allen Tagen müde.

Alle Tage bleiben lang.
Alle Menschen bleiben allein.
Alles bleibt vom End’ und Anfang
nur tiefdunkler Widerschein.
Alle rennen durchs kurze Leben
nur mit ihren nassen Socken,
denn die Menschen sind soeben
erst aus Bett und Schlaf gekrochen.

01.11.15

BALLADE VON DEN VANDALEN


Dort in der prachtvollen Stadt,
wo Vandalen stur befehlen:
„Tore werden aufgemacht!“
und die Römer froh bestehlen,
war zerstört: Die alte Pracht.

Dort in der unruhigen Stadt,
rennen Menschen wild umher
und sind furchtbar aufgebracht.
Niemand findet jemals mehr
was man weggenommen hat.

Dort in der glanzvollen Stadt,
wo die alten Statuen strahlen
ist das goldne Glänzen matt
und die Römer von Vandalen
schnell und langsam umgebracht.

Dort in der zerstörten Stadt,
wird mit keinem Tropf’ Gewissen
über aller Tod gelacht
und dem Römer fortgerissen,
was er an Wertvollem hat.

Dort in der verlassnen Stadt,
rennen die Vandalen fort
und wird immer, Tag und Nacht,
an Geschrei und Raub und Mord
im glanzlosen Rom gedacht.

22.10.15

BUCHBESTELLUNG


Heute ist das Buch "Die Liebenden vom Place d'Arezzo" von Eric-Emmanuel Schmitt, welches ich gestern bestellt habe, bereits angeliefert wurden! Ich habe schon all seine Bücher gelesen und hatte mich daher wirklich sehr gefreut, als ich im Internet einen Artikel über sein neustes Buch entdeckt habe!

Schmitts flüssiger Schreibstil ist für mich jedes Mal sehr beeindruckend! Ich habe schon so viele Male seine Bücher an nur einem einzigen Tag gelesen, weil sie wirklich fesselnd und gut geschrieben sind und ich sie einfach nicht mehr weglegen konnte! Das ist für mich ein ganz besonderes Leseerlebnis! Denn ich habe schon so viele Bücher von anderen Autoren gelesen und hatte mich dabei sehr oft richtig quälen müssen, um mich sozusagen zu meinem Glück zu zwingen. Doch fängt man die Bücher Eric-Emmanuel Schmitts zu lesen an, hört man magischerweise plötzlich beim allerletzten Satz auf!

Seine Bücher "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Korans", "Oskar und die Dame in Rosa", "Das Kind von Noah", "Adolf H." und "Mein Leben mit Mozart" sind immer wieder sehr lesenswert! Die Geschichten und die Figuren sind auf dem ersten Blick sehr einfach, und doch eigentlich von ungeheurer Tiefe! Seine Bücher sind ausgesprochen tiefgründig und einfach nur wunderschön! Ich habe viel über die Weltreligionen gelernt und stets allerlei Denkanstöße erhalten!

Vielleicht kann ich das neue und außergewöhnlich dicke Eric-Emmanuel-Schmitt-Buch noch heute durchlesen und in mein Regal zu den Anderen stellen! Für mich hat der Tag schon sehr gut angefangen, da dieses schöne Buch ganz problemlos und schnell den Weg zu mir gefunden hat!

24.09.15

Ich habe heute mit meinem Gedicht "wandel" bei dem wöchentlichen Wettbewerb Poetry Slam online bei der "Bibliothek Deutschsprachiger Gedichte" gewonnen! 
Man muss dort immer ein Gedicht aus vorgegebenen Buchstaben und Worten zusammenstellen! Manchmal ist das sogar richtig knifflig! Aber es macht richtig Spaß! http://www.gedichte-bibliothek.de/pages/online-poetry-slam/der-sieger-der-letzten-runde.php

wandel

Ich verändere
zum Zeitvertreib

das kleine reich
meiner Vergangenheit.

22.09.15

ERWACHEN I


Die Wiese an den Wegen
ist wie gewasch'nes Haar!
Wie glänzt es nach dem Regen
auf Erden sonderbar!

Wie glänzen Gräser nur
und Blätter uns'rer Bäume!
Wie schön sind grüne Flur
und uns're bunten Träume!

Die Welt ist farbenfroh
und strahlt in neuem Glanz!
Ich hör' ein Vogelecho
und seh' der Bäume Tanz!

An uns'rem Weg die Wiese
ist wie gewasch'nes Haar!
In mir erwacht die Liebe!
Das Herz rast sonderbar!

01.09.15

TOTENTANZ I


Er und sie
Tanzten umschlungen
Zur schaurigen Melodie.
Ein Chor hat gesungen
Und die Frau schrie!

Sie tanzten umschlungen
Die ganze Nacht.
Sie hat mit ihm gewacht.
Sie hat mit ihm gerungen.
Er ist in sie eingedrungen!

Er und sie
Tanzten umschlungen.
Die Frau schrie und schrie!
Die in seine Arme gesprungen!
Zur schaurigen Melodie!

Sie hat den Tod überwunden!
Und die grausigen Lieder
Hörte die Frau nie wieder!
Ach, sie verstummten!
Der Tod war verschwunden!

Sie hat mit ihm gewacht.
Sie hat mit ihm gerungen.
Er ist in sie eingedrungen!
In jener kalten Nacht
Ward sie fast umgebracht!

KOMISCHE ELEGIE
An eine empfindliche Dichterin


Ihr seid so furchtbar ungerecht
und zeigt stets nur auf meine Fehler!
Ihr unterbrecht und unterbrecht!
Was seid Ihr bloß für Erbsenzähler?
Was soll das lange Wortgefecht?
Ihr seid stets nur am Korrigieren!
Der Text ist doch gar nicht so schlecht!
Ihr sollt mich nicht so kritisieren!

Wir sprechen uns bestimmt noch später! -
Ich mach es so, wie ich es will!
Jetzt hört doch endlich auf, Erbsenzähler!
Seid bitte endlich einmal still!
Ich mach es so, wie ich es will!
Das ist und bleibt mein gutes Recht!
Was soll nur bitte das Gebrüll?
Ich bin nicht taub! Ich hör nicht schlecht!

Der Text hat keine großen Schwächen!
Jetzt hört auf! Seid doch endlich still!
Wir werden uns bald wieder sprechen!
Wir sehen uns im nächsten April!
Doch ihr "erkennt" nur meine Fehler
und unterbrecht und unterbrecht!
Denn Ihr seid alle Erbsenzähler 
und furchtbar, furchtbar ungerecht!


"Komische Elegie" ist in der Anthologie
"Ausgewählte Werke XIX" (auf S. 21)
der "Bibliothek deutschsprachiger 
Gedichte" vertreten

31.08.15

FLUGTRAUM


Wenn man nur die Flügel hätt’, 
könnt’ man fliegen, wenn man will.
Dann liegt man nicht mehr im Bett
und verträumt sein Leben still.
Wär' man niemals menschlich klein,
wäre mild der Frühlingswind
und man würde lachen, schrei’n,
wie ein kleines Erdenkind.

Wär’ ich eines Tag’s befreit
von des Träumers süßen Qualen,
würd’, als eine Wunderschönheit,
unser Leben golden strahlen.
Niemals würd’ ich Traum beklagen.
Niemals läge ich im Bett.
Weil ich an den milden Tagen
endlich Vogelflügel hätt’.

21.08.15

BALLADE VOM BETTLER 
DIOGENES

1

Keiner traut sich recht in meine Nähe,
weil ich nur ein kleiner Bettler bin
und wenn ich aus meiner Tonne sehe…
ach, wie ich von Sonn’ geblendet bin!
Darum bleibe ich im Schatten allein
und will nur vergessen: Mensch und Welt!
Doch ich möcht' nicht länger wütend sein.
Denn ich will nur machen, was gefällt!

2

Dieses stille Lauschen macht Vergnügen.
Ich vernehm' den Lärm aus Land und Stadt. 
Doch ich kann mir selbst allzeit genügen.
Hier hab ich schon oft recht laut gelacht!
Alle sollen immer weitergehen
und mich immer fein in Frieden lassen!
Ich will alle nur aus Fern’ besehen
und im Herzen lieben oder hassen.

3

Diese zarte Sonne strahlt mit Gewalt
und ich seh’ das bunte Menschentreiben!
Mir tun Knochen weh! Ich werde alt!
Ach! Ich will nicht in der Tonne bleiben!
Endlich möcht ich Menschen kennenlernen
und die kalte Finsternis verlassen!
Endlich geh' ich unter gold'nen Sternen!
Endlich renn’ ich durch die hellen Gassen! 

4

Ach, wie wunderschön ist’s hier und dort!
Ach, wie fühl’ ich mich vergnügt geborgen!
Diese Müdigkeit ist plötzlich fort
und der Hass auf Ewig abgestorben!
Diese Sonne kommt vergnügt heraus
und begrüßt die große Heimatstadt!
Hier bin ich ganz sicher und zu Haus
und nicht länger müde oder matt!

28.07.15

BALLADE VOM GASTGEBER 
ELAGABAL


1

Ich heiß dich herzlich heut willkommen
in meinem recht bescheidnen Palast!
Du hast noch nichts zu Dir genommen?
Dann setz Dich nieder! Sei mein Gast!
Du probierst Papageienleber!
Das Kamelfleisch ist zu empfehlen! 
Ich habe warme Betten, Bäder!
Den Gästen soll's an gar nichts fehlen!

Es gibt noch dort den bunten Pfauen!
Den hat der beste Koch gebraten!
Du kannst mir ruhig ganz vertrauen!
Dir Deinen Bauernbauch vollschlagen!
Es gibt auch wohlgeformte Frauen,
die uns stets Völlerei vergeben!
Doch sie sind hübscher anzuschauen,
wenn sie zur Harfe sich bewegen!

2

Was haben wir nur heut gelacht
und ließen heiter Zeit vergehen!
Nun bist Du vollgestopft und fad
und willst auf einmal Abschied nehmen!
Doch da die Blüten umherschweben,
hab ich vom Herzen laut gelacht!
Denn, ach, ich liebe Blütenregen,
der Dich so süß getötet hat!

Ich heiß Dich herzlich heut willkommen
in meinem recht bescheidnen Palast!
Denn jeder hat Fleisch bekommen
und war ein gern gesehner Gast!
Ich liebe all die schönen Feste,
wie von den Blüten Rosarot.
Die lieben Freunde und die Gäste
erleben einen schönen Tod!
BALLADE VOM STURZ DES 
PHAETONS

1

"Oh, Du darfst nicht unsre Erde
und den Himmel niederbrennen!
Lass ja meine tollen Pferde
nur nicht ungezügelt rennen!
Du musst Macht und Sagen haben!
Sie sind gnadenlos und schnell!
Du fährst fort mit meinem Wagen
Und um Dich wird's plötzlich hell!"

Doch der Mann vergaß Gefahren,
nachdem er den Rat vernommen
und er wollte endlich fahren
und gar nicht mehr zurückkommen.
Oh, er wollte nichts mehr hören!
Drum stieg er in Helios' Wagen.
Helios durfte nicht mehr stören
und dem Mann noch Lebwohl sagen.

2

Phaeton sah die kleine Erde!
Nichts war klar genug zu sehen!
Und die schnellen Heliospferde
Wollten ihn nicht recht verstehen!
Im endlosen Himmelsraum
Stürzte unser Mann vom Wagen,
und dem weißen Wolkenschaum,
von den Pferden stets getragen.

Was für Chaos! Was für Schande!
Viele Menschen waren tot.
Diese Erde brannte, brannte
und der Himmel war glutrot.
Überall war Schmerz und Leid!
Heiße Flammen! Heiße Tränen!
Unser Mann hat lang geweint
und wird Helios nun verstehen.

25.07.15

MONOLOG I


In des alten Schreibtischs zwei Schubladen
werden heute Vers für Vers verschwinden,
denn den allbekannten „roten Faden"
werden wir in ihnen niemals finden.
Aber hätt ich keinen Vers geschrieben,
auch wenn die Gedichte in Schubladen
bald verstaubt und bald vergessen liegen,
wäre ich mit meinen Balladen
heute nie und niemals recht zufrieden!