21.08.15

BALLADE VOM BETTLER 
DIOGENES


1

Keiner traut sich recht in meine Nähe,
Da ich wohl nur ein armer Bettler bin!
Und wenn ich, ach, aus meiner Tonne sehe,
Wie ich von der Sonne dann geblendet bin!
Drum bleibe ich im Schatten allein
Und will vergessen Menschen und die Welt.
Ich möchte nicht länger wütend sein
Und will nur machen was mir gefällt!

Mir macht das Gerede recht Vergnügen.
Ich seh sie alle gern in der Stadt.
Doch ich kann mir selbst genügen
Und bin Tag und Nacht recht matt!
Sie sollen nur alle stets weitergehen
Und mich immer in Ruhe lassen!
Ich will sie von der Ferne besehen
Und alle im Stillen lieben und hassen.

2

Die Sonne strahlt mit aller Gewalt
Und ich seh das bunte Menschentreiben!
Ich bin schon grau und recht alt
Und ich will nicht in der Tonne bleiben!
Nun möchte ich Menschen kennenlernen
Und den ewigkalten Schatten verlassen!
Jetzt wandle ich unter heimischen Sternen
Und renne durch Korinths Gassen! 

Wie schön ist’s doch hier und dort!
Ich fühle mich überall recht geborgen!
Die Müdigkeit ist nun immer fort
Und mein Hass auf ewig abgestorben!
Die Sonne kommt sachte heraus
Und begrüßt die große Stadt!
Ich fühl mich hier sicher und zu Haus
Und nicht länger müde und matt!

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