15.11.19

ERKENNTNIS XII


Auch wenn Du denkst,
dass Du Dir viel
zu viele Gedanken 
machst,
denkst Du viel
zu viel nach.

Auch wenn Du denkst,
dass Du um Hilfe
schreien musst,
bleibst Du,
wie alle Anderen,
stumm.

11.11.19

ELEGIE II


Ach! In einer Welt,
in der alles,
alles bleibt, 
wie es ist,
wechseln Richtig
und Falsch
ihre Masken!

Ach! In einer Welt,
in der alles,
alles erstarrt,
tauschen Ja
und Nein
ihren Sinn!

06.11.19

VERHÄNGNIS III


Von der Zwietracht 
unserer Welt warm 
und klein gehalten,
wandeln wir 
in die Steinzeit 
hinaus.

Mit jeder Angst
und Furcht 
zerstritten,
wandeln wir 
von Nichts
zu Nichts.

05.11.19

ISOLATION II


Ob ich nun hier
oder anderswo bin ...
Ich bin vom Rest
der Welt isoliert!

Ob ich nun anderswo
oder hier bin ...
Die Kunst allein
entfesselt

das Gefühl
der Freiheit!

04.11.19

MONOLOG XII


Auf Schleichwegen
beschleicht Dich
ein ungutes Gefühl.
Ein jedes Geheimnis 
wurzelt, hier
und überall,
in den Tiefen
der Erde
der Einsamkeit.

03.11.19

MONOLOG XI


Man setzt, Gedicht
für Gedicht,
allem Konkreten
die goldene Krone auf
und schubst, Gedicht
für Gedicht,
alles Abstrakte
vom goldnen Thron!

02.11.19

EISZEIT


Man setzt sich früh
und spät das „Ist-mir-egal!“
oder „Das-geht-mich-nichts-an!“
auf den ewig-hohlen Kopf

und tritt spät 
und früh in die kalte Welt 
hinaus -

und man zuckt, 
ohne mit der Wimper zu zucken,
die steifen Schultern.

01.11.19

VORWURF


Ach! Es ist 
und bleibt
Deine eigene Schuld,
wenn Du Dir viel
zu viele Gedanken 
machst!

Wenn die Andren
Deinen Kopf als Klo 
für ihre Scheiße nutzen
und Du nie
und nimmer spülst,
bist du selbst 
daran schuld!
ALLTAG III


Entweder 
sind die Leute
unfreundlich,
als wären ihr Tag
und ihre Laune
und alle Andren
schlecht,

oder sie halten
und halten 
verbissen
an ihren Floskeln 
fest.

30.10.19

MONOLOG X


Am besten wär‘,
man denkt nicht mehr 
und schwimmt verträumt 
an Oberflächen,
nennt Feinde „Freund“
und Stärken „Schwächen“,
und denkt nicht mehr,
ob’s anders 
wohl anders wär‘.

25.10.19

ENTTÄUSCHUNG III


Ach! Die Leute tun entweder nur
was sie meinen tun zu müssen
oder sie tun gar nichts.
Entweder haben sie kein Herz
oder sie haben nur 
ein halbes Herz.

Ach! Wer über Andre lang
und breit nachdenkt,
verschwendet nur
seine Kraft
und Zeit!

24.10.19

ERKENNTNIS XI


Es springt von Zeit
zu Zeit von Kopf
zu Kopf ein Knall

und auch, von Zeit
zu Zeit, verpuffen
in enger Stirn

und engem Herzen
der Sprache Sinn
und Zweck.
GEGENWART III


Keine Zeit
fürs Denken
oder Fühlen.
Keine Zeit
fürs Leben
oder Sterben.
Keine Zeit
und Lust Zeit
und Lust
zu haben.

23.10.19

ABSCHIED VI


Von allen Musen
und guten Geistern
verlassen,

reiten wir Tag
und Nacht 
auf des Lichtes
und Schattens
breiten Rücken.

Von allem Wissen
und Gewissen
verlassen,
reiten wir weg
und fort.

22.10.19

ENTTÄUSCHUNG II


Wenn die Meinung
über Dich feststeht,
ist es ganz
und gar egal was
und wie Du was sagst.
In einer Welt
voller Vorurteile
bleiben Worte
nur Worte.

21.10.19

ALLTAG II


Ein jeder 
verkennt alles
und jeden!

Allen schlägt Tag
für Tag 
eine Welle
der Ignoranz
ins Gesicht.

Ein jeder 
findet sich Tag
für Tag 
mit allem
und jedem ab.

19.10.19

HERBST-
ANFANG


Wenn der erste Vorhang
goldner Blätter fällt,
hält der großen Hoffnung
herrlich kühler Schimmer,
was nicht leuchtet,
was nicht funkelt,
fest im Griff.

18.10.19

DILEMMA III


Ach! Der Eine zerstört mich immer
und immer wieder 
und der Andre baut mich immer
und immer wieder auf.
Ach! Die Macht, die Andre
über Andre haben, ist
und bleibt,
wie die Menschheit,
groß 
und alt.

17.10.19

GEHEIMNIS V


Während 
der Mond Stunde
für Stunde Vers
für Vers blendet,
stillt die Stille
der alten Straßen
und alten Häuser
der alten Stadt,
der alten Träumer
alte Neugierde.

11.10.19

MAJORITÄT


Wir treiben 
und treiben mit Hohn
und Spott Spott
und den Wahnsinn
in den Wahnsinn.

Wir drehen 
und drehen uns
und alle im Kreis
und an langen Tagen
der Langenweile
eine lange Nase.

09.10.19

MISERE


Während
tausend Touristen
tagtraumtrunken
mit Schiffen
und Flugzeugen
den tiefen Atlantik
überquerten,

tanzten Tod
und Teufel hier
und überall,
wie träge Tiere,
einen Tango.

07.10.19

DILEMMA II


Da wir nicht an nichts
denken können,
versuchen wir
uns schöne Gedanken
zu machen.

Weil wir uns aber
keine schönen Gedanken
machen können,
versuchen wir
an nichts zu denken.

30.09.19

RÜCKZUG III


Zeig' kalten Herzen
die kalte Schulter
und kehr' immer
und immer wieder
Dein intimstes Inneres
nach Außen

und kehr' immer
und immer wieder
allen Fragen
und allen Antworten
all der Anderen
den Rücken.

28.09.19

ALLTAG I


Täglich
atmet Angst
die Furcht.
Täglich
lacht
und lacht
spottentstellt
der Schmerz.

01.06.19

ERKENNTNIS X


All der Spießer 
kleine Hirne
gleichen Nestern
großer Ängste,
die von Bäumen,
in des Jammers
dunkle Täler,
herabstürzen.

27.05.19

FURCHT


Ach! Bald gleicht
ein kurzes Augenzu
einem Kuss!
Und, ach, 
bald erfrieren noch
beim Öffnen
unserer Münder 
Herz
und Seele.

20.05.19

SONNTAG-
NACHMITTAG


Die Schläfen
werden härter
als die Brust
und Flammen
vollführen
einen Stepptanz
auf der Stirn

und - und das Blut
flüstert Tag
und Nacht
unermüdlich
Elegien.

18.05.19

WETTE
ANAGRAMM-GEDICHT


Allen Aethern entschwebt
Sternennebel. - - - Ach, Welt, hat
Lachen Halt? - - - Erbsen wetten:

He! Wenn Rattenasche bellt,
strebte Athen nach Wellen.

15.05.19

GEHEUL
ANAGRAMMGEDICHT


I! Der heit‘ren Hure Gaul-Beine
reiben die Haut. Ihre Luegner
heulen harte Eier. Gib Ur-Neid
die Ruhe! - - - Leihe braunen Tiger -
reh-blauer Geier - nie dein' Hut.

10.05.19

NONSENS VI


O niemals komm' ich 
zur Ruhe
und niemals kommt
die Ruhe zu mir
und niemals -
niemals komm' ich
aus meiner Haut
und niemals -
niemals 
kommt die Haut
aus mir.

09.05.19

EISERDE
ANAGRAMM-
GEDICHT VI


Ein Lied ist Auge.
Leide Geist! Laune

ist der Gefuehle Bluete.
Gute Eiserde, helfe Blut

und Fleisch vereinigen!

08.05.19

SCHWEIGEN
ANAGRAMM-
GEDICHT III


Kein Sturm ohne Leiche. Leg'
Grotesken ein. Huelle mich

in Schweigen. Da schweigen
Winde! Schwan, geige Schein

und Sein gestern Nacht.

06.05.19

03.05.19

SCHEINRACHE
ANAGRAMM-
GEDICHT II


Schau‘ nach Reif. Erde,
schrei‘ auf Daechern.

Schrei’ Schreie an.
Schein.rach.e – reis‘

nach Eif.er.sucht. Ein 
Ich, ein Feuer nachts, 

wird zu einem Du.

27.04.19


SELBST-
ERKENNTNIS


Nein! Ich habe
keinen Körper,
um Körpergefühl
zu haben.
Für mich ist Tanz
(und dergleichen)
noch fremder
als die Fremde.

Ich bestehe
(statt aus Fleisch
und Blut)
aus Gedanken
und Träumen.

26.04.19

ALPTRAUM IX


Während aus Armen
und Händen 
die hohen Fontänen
dünnen Blutes 
in die dünne Luft 
schießen,

fallen Grauköpfen
im Wartezimmer
letzte Termine
und letzte Strähnen
dünnen Haares aus.

25.04.19

NEIN!
ANAGRAMM-
GEDICHT I


O! Hass
sah so

nie Neid aus?
NEIN! Die Sau

ist Schwein.
Stein wichs -

wichs diese Eibe.
Weib, sei Scheide.

10.04.19

ERKENNTNIS IX


Ach, es ist egal,
ob wir von uns
und allen viel
oder wenig
(oder gar nichts)
erwarten.

Wir sind 
und bleiben 
(bewusst
oder unbewusst)
enttäuscht.

30.03.19

NABELSCHAU


Warum reicht mir 
was ich tu
und denk
und hab nie
und nimmer aus
und warum –
warum sind 
die Antworten
aller Fragen
alte Lügen?

25.03.19

WELTEKEL


Nein! Diese Welt 
ist nicht meine Welt.
Entweder dreschen alle
ihre Phrasen
oder es herrscht,
als wär man hier
der letzte Mensch,
nur noch Stille.

Nein! Diese Welt 
wird für mich
niemals
eine Heimat sein!
FLASHBACKS


Man erinnert
und erinnert,
wie immer,
irgendwas.
Es ist,
als ob man sich
ausschließlich 
von Verdorbenem
ernährt.

Man erinnert,
erinnert
und erinnert
und weiß nicht,
weil niemals
etwas passiert,
was
und warum.

16.03.19

ZUFLUCHT II


Der Nebel leuchtet, Freund,
als wär’s die Sonne heut‘.

Drum schließ’ die Augen bald
und find‘ in Träumen Halt!

10.03.19

07.03.19

TRISTESSE


Er raucht
und raucht.
Er hüllt sich
in Rauch
und Schweigen.
Ich weiß nicht
was er denkt
und er weiß nicht,
was ich denke.
Wenn wir uns
nicht egal wären,
würden wir uns
niemals
verstehen.

05.03.19

DIALOG II


Nein! Es ist nicht so
oder so!
Es ist eher so
oder so!

Was ist bitte so
oder so?
So ist so!
So ist so!
Ach so!
DILEMMA I


Wenn wir uns nicht
in den Gedanken 
und die Gedanken
in uns verlieren,
verirren wir uns
beim Träumen
der dunklen Träume
im dunklen Leben.

04.03.19

HETZEREI


So wie ein Alptraum
ohne Ende
den Andren jagt,
jagt ein Wort
oder ein Gedanke

einen andren Gedanken
oder ein andres Wort
bis zum Anfang
eines Endes.

28.02.19

20.02.19

RESIGNATION VII


Wir möchten 
immer nur reden,
reden 
und reden.
Doch wir erkennen,
das Reden 
gar nichts ändert
und das auch 
das blöde Gerede,
dass das Reden 
nichts ändern würde,
gar nichts ändert.

16.02.19

OBSESSION


Jede Leidenschaft
verdrängt 
eine jede Frage.
Denn ein Wort
oder ein Strich
auf dem Blatt
ist so sicher 
wie der Tag.