24.12.17

BEKLEMMUNG I


Während wir 
nur noch 
den Abschied gut
und willkommen 
heißen

gleichen 
alle Augenblicke
die den Raum
mit dem Himmel 
und der Hoffnung
teilen
einem Gefängnis

19.12.17

ERKENNTNIS II


Diesen großen Abgrund
zwischen all den Zeilen
Worten und den Silben
der den Lebensmut
mit Genuss verschlingt

können selbst die Dichter
welche goldne Hoffnung
wie den goldnen Apfel
aus den Lüften pflücken
niemals nie erkennen

17.12.17

RÄTSEL


Bald brennen 
unter der Netzhaut 
und der Oberfläche
dunkle Tiefen
dunkle Rätsel

bald werden 
alle Fragen
und Antworten
das erste Mal
geschwiegen

und Traum
und Realität lang
und langsam
einander
lange Schatten
zuwerfen

13.12.17

NONSENS II


Wenn der graue Tag
oder die graue Nacht
auf einmal erblinden
zeigt die Wahrheit

ihr wahres Gesicht
zeigen graue Tage
oder graue Nächte

der grauen Vorzeit
den grauen Vögeln
einen Vogel

08.12.17

SUCHE III


Während 
jede Stunde
unser alter Stumpfsinn
ein neues Herz sucht
und findet 

und hinter allen Augen 
nur noch leise
das Meer 
der Mysterien
rauscht 

ändern sich 
hinter Stirn 
und Sprache 
allstündlich
Erinnerungen

01.12.17

VERHÄNGNIS II


Täglich fallen sich 
alle Widersprüche 
in die offnen Arme 
täglich lässt der Tag 
unsre Nacht nicht los
täglich stirbt und lebt
unser Tod und Leben

27.11.17

SUCHE II


Wo ist dieses Wo 
und wo liegt 
dieser Frage Ursprung
und wo wölbt sich 
über dieses Wo Wann
und Warum
nicht nur der Wolken 
ungeahnte Schwere

und wo ist 
und bleibt 
alles anders 
als hier 
und jetzt
und anderswo

22.11.17

TOTEN-TANZ II


Die Schwärze löst die Starre
und von den Glasknochen
unser rotes Fleisch

nachdem der Asphalt
der unter langen Laternen
der langen Hauptstraße

hellgelb leuchtet
nur den toten Tod 
spiegelt

21.11.17

ALPTRAUM V
FASSUNG II


Unser Lärm berührt
als wären alle Körper 
nur noch Knetmasse
unsere Körper
und langsam
und still erstickt 
an den Fragen
und den Antworten
der Alpträume
die Luft

VERWANDLUNG
FASSUNG I


Dass an dem Abend
ein jeder Mensch
dem hässlichen Bild
der Spiegel gleicht
verzerrt des Tages 
verrückter Sturm
die Bleichgesichter
der dicken Damen
und dicken Herren

20.11.17

ERWACHEN II


Im Augenwinkel
blendet der Lärm
zwischen Raum
und Zeit Tür 

und Angel erinnert 
die blinde Sprache 
ihr Sehorgan

15.11.17

FALL


Nachtwolken fallen
auf den nackten Asphalt
der Tag schwimmt
sturmvergessen
in dem tiefen Meer
der kühlen Lichter

13.11.17

SELBSTBESINNUNG


Da niemand etwas sagt
worüber es sich Tage
und Nächte nachzudenken 
und nachzugrübeln lohnt
muss ich mich im Detail

und zwischen allem Wahren
und zwischen allem Schönen
und zwischen allem Guten
der Gegenwart verlieren

11.11.17

GEHEIMNIS II


Anstatt 
dem Verlorensein
in der Welt
ein Gesicht 
zu geben 
geben wir 
dem Nichts
einen Namen

und dem Gefühl 
das Wort
und bewahren 
wie ein Geheimnis
die Rätsel
GEHEIMNIS I


Wann fragt jemand
wann das Fragen
endlich endet 
wann das Ende 
endlich anfängt 
unser Anfang 
endlich aufhört 
alle Rätsel 
ihre Augen
und Geheimnis
seine Ohren
erinnern

03.11.17

31.10.17

WARNUNG II


Wenn das Genick
und das Stillschweigen
der letzten Träume
am Abend brechen
wird lang und bitter
und unermüdlich
die Bitterkeit
im Herzen lachen

28.10.17

SPÄTHERBSTMELODIE


Der Tage tiefe Abgrund
wird seine dunklen Augen
verträumt und müde öffnen
da wieder durchs Gerippe
der toten Lebewesen
der späte Herbstwind früh
wie Flötentöne zart
und leise pfeifen wird

25.10.17

MONOLOG III


Ich bin Dichter 
(und) der dunklen Welt 
und Rechtfertigung müde
ich seh (niemals) 
das Ende 
und (niemals) 
den Anfang

ich bin und bleib 
was ich bin
und (benenne) 
was ich heute tu
und was ich 
heute seh

22.10.17

ENTSETZEN


Ihre Gedanken
suchen 
weder die Tiefe 
noch das Weite 

ihre Gedanken 
von Starrsinn
blind
und betäubt
finden Gehör

19.10.17

VERWIRRUNG III


Während 
aus Tränen 
nur die Augen 
und anderswo 
nur die Köpfe 
rollen 
und aus Tag Nacht
und Nacht Tag
und anderswo
nur Mittag wird
geht er verwirrt
ins Bett

17.10.17

INNERE EINKEHR


Man schwimmt in der Leere
man hält den Atem und man hält
die Zeit an man träumt den

Alptraum Leben man zerreißt
das Papier und man zerreißt
den langen roten Faden

und man erinnert vergisst 
schwimmt und ertrinkt
als wär wieder nichts passiert

in der dunklen Leere 
dunklen Innenlebens

15.10.17

























Heute wurde als freiVERS in "mosaik - Zeitschrift für Literatur und Kultur" mein lyrischer Text "Inkognito" veröffentlicht! Ich bin sehr glücklich! Ich würde mich freuen, wenn ihr die Internetseite der Zeitschrift mit meinem Text besucht!
ILLUSION I


Während die Welt erstarrt 
ebnen uns die Künste 
alle Fluchtwege

doch nur ein Wort 
und nur eine Illusion

bleiben für uns
die Grenzen

14.10.17

WARNUNG I
FASSUNG II


Wenn deine Träume alle
in tiefem Schlaf versinken
wird zwischen unsrer Stille
und unsrem Lärm 
zur gleichen Zeit
ein Krieg 
und Frieden herrschen

VERLUST III
FASSUNG I


Während dein Traum
in Agonie verfällt
stehen alle
ohne jeden Halt
zwischen Frau Stille
und Herrn Lärm
und verlieren alles
oder gar nichts

13.10.17

ERINNERUNG III


Während wir 
den Flug 
aller Tage 
und Nächte
nicht mehr 
erinnern

und die Stille 
für uns
nur noch
ein Phantom
bleibt

fliegen nur Worte
und Namen
im kühlen Kopf
und Raum
umher

12.10.17

RESIGNATION IV


Wir schlucken 
das reine Gift 
der Ohnmacht früh 
und spät und du 
und ich und nichts
und niemand ändern 
daran was 

denn der Alltag
ist nur Alltag 
und der Mensch
bleibt nur Mensch
HASS


Ein Misanthrop ist 
und bleibt der Lärm
der auf den Stimmbändern
unserer Stille tanzt lacht 
und schreit
und die Zeugen Tod 
und Leben bitter hasst

der Lärm der lacht 
und schreit 
und uns 
und sich selbst
bitter hasst ist 
und bleibt
unser Alltag
STURZ


Wenn ich nicht mehr tief
und fest schlafen kann
weil ich mich wieder taub
und blind schreibe
und mit jedem Gedicht
das große Feuer 
der Existenzangst schüre
stürzt der dunkle Himmel
in einem tiefen 
und festen Schlaf

11.10.17

OHNMACHT II
FASSUNG II


Während wir Tag 
und Nacht und Nacht 
und Tag vom Hier 
und Jetzt sprechen 
und jede Antwort 
eine neue Last 
und Maske trägt 
bleiben die Fragen 
wo und warum 
wir Beide sind 
alte Rätsel
SUCHE I
FASSUNG I


In den dunklen Irrwegen
ist kein Lebenszeichen
während der Bleihimmel
voller Ungewissheiten hängt
unserer Ironie zu finden

du sprichst immer wieder
vom Hier und vom Jetzt
doch wo und warum
wir Beide sind
bleiben alte Rätsel

10.10.17

VERLASSEN


Nachdem Spuk
der Rätsel

dunkle Schatten

wird die Nacht
wieder
ein Waise
LICHTJAHRE


In deinen Adern fließt
immer schneller

und schneller 
das Blut

und dein Gesicht ist
und bleibt 
nur ein Gesicht
der Unruhe

und dennoch ist
und bleibt
deine dunkle Zeit
dir Lichtjahre 

voraus

05.10.17

PANIK


In dem Traum weht 
ein roter Vorhang
denn das Gespenst Wind 
stürmt durch Raum
und Raum 
und Kopf
und Kopf 

weil alles alles 
von allem allem
in Bedrängnis 
gerät
ALPTRAUM IV


Während 
die Zukunft fragt:
Wann werden 
alle Alpträume
in die Eingeweide 
des Vorgestern
zurückkehren
kehrt ins Innere
der Zukunft
der Tod ein

03.10.17

REANIMATION


Die eisige Luft fühlt
den schwachen Puls
der Mitternacht
wann hört der Wahn
und der Sinn auf
und wann fängt
endlich
das Leben
vom Leben
zu träumen
und zu atmen an

30.09.17

Nonsens


ERINNERUNG II


Kein Tag tanzt 
auf Stirn
und Schläfe 
dessen Takt 
ich niemals mehr
am Abend noch
erinnern muss

kein Vergessen 
und kein Erinnern 
retten mir
meinen Schlaf

25.09.17

ALLTAGSLAST
FASSUNG II


Es hängen Gedanken
am Kopf wie Gewichte
sie reißen ins Dunkel
von bunten Gefühlen
und ziehen uns alle
in unser Verderben

und zerren uns höher
und höher und tiefer
und tiefer ins Blaue
und ziehen uns wieder
durch bittere Liebe
und bitteren Hass
LEBENSEKEL I
FASSUNG I


Es hängen Gedanken 
am Kopf wie Gewichte 
sie ziehen uns alle
von Kacke zu Scheiße
doch einzig der Rhythmus
wird Blut in uns bleiben
und niemals gerinnen

23.09.17

OBSESSION


Tag und Nacht liegt 
auf aller Bleizunge
das bittere Gift
eines Traumes
von keiner Stille 
und nichts
und niemandem 
lasse ich Nacht 
und Tag 
mir Wort
und Bild
verbieten

17.09.17

ABSCHIED IV


Im Bauch kreist 
wie ein Bumerang
ein Schmerz 

langsam hält
die Psyche still 

und inne

langsam nimmt 
die Sprache
Abschied

16.09.17

VERLUST II


Wenn wir alle nicht ahnen
was sich hinter Fenstern
und Zeilen alles verbirgt
sind unser Blick
und Traum verloren
denn vom ersten Erwachen
bis zum letzten Schlaf
bleibt unser Rätsel
unser Spiegelbild
SCHWERELOS


Da jeder Augenblick 
langsam
in deiner Hand 
zur Glut verkommt 

wird langsam
und fast takt- 
und fast 
schwerelos 

das Herz 
der Erinnerung

13.09.17

HERBST-NACHT


Wie die Toten (unter
der Erde) war heut
und gestern
unser Himmel blass
wie die Angst (unter
Hut und Hemd) war
unsere Herbstnacht
gestern und heut 
wie unser aller Wort
Ewigkeit

04.09.17

ENDLICHKEIT


Alles endet 
im endlosen 
Monolog
alles spricht
und erzählt 
am Ende 
ohne Ende
letzten Endes
nur von sich 
und uns

30.08.17

KLAGE


Ach Mensch Mensch
was machst du nur
auf ein offenes Ohr

trifft keine Klage
ach Mensch Mensch
halte deinen Mund

11.08.17

VERMISCHUNG


Die Träume bleiben
der leisen Gedanken
leise Zwiegespräche
denn in allen Träumen 
in denen sich 
alle Worte
und alle Bilder 
vermischen 
flüstern Gedanken
mit den Gedanken
INKOGNITO


Wir tauschen Gesichter
mit der Nacht
wir wollen nicht mehr
dieselbe dünne Luft

wie die Anderen atmen

niemand weiß wo
und wer wir sind


"Inkognito" wurde am 15.10.2017
als freiVERS in "mosaik - Zeitschrift für Literatur
und Kultur" veröffentlicht

http://www.mosaikzeitschrift.at/literatur/freivers-martin-zaglmaier/

09.08.17

EINSICHT II


Die Dinge dieser Welt
sind der Unzulänglichkeit
ein Spiegel

die Welt dieser Dinge
bleibt Oberfläche nur
im Herzen

02.08.17

HEIMKEHR


Urängste streifen
meine Salzhaut ab
in das dunkle Innere
kehren 
dunkle Ironien heim

26.07.17

FRUSTRATION


Alles verkommt nur
zu einer Skizze
alles verlässt
niemals
die Grenzen
des Möglichen

alles ist
und bleibt
den Zauber
einer Sprache
entwöhnt

und weniger
als die Hälfte
vom Nichts

17.07.17

VERLORENSEIN


Während
der Reihenhäuser
graue Fassaden
auf den Alltag
schwarze Schatten 
werfen

werden uns
alle Wege
in die noch 
grüne Fremde
führen