20.11.17

ERWACHEN


Im Augenwinkel
blendet der Lärm
zwischen Raum
und Zeit

und Tür und Angel
öffnet die Sprache
ihre Augen

15.11.17

FALL


Nachtwolken fallen
auf den nackten Asphalt
der Tag schwimmt
sturmvergessen
in dem tiefen Meer
der kühlen Lichter

13.11.17

VERLUST II


Da niemand etwas sagt
worüber es sich
nachzudenken lohnt

verliere ich mich im Detail
zwischen den Zeilen
zwischen den Räumen

der Worte und der Silben
und weiß am Ende nicht
wo und wer ich bin

11.11.17

GEGENWART


Anstatt der Verlorenheit ein Gesicht
zu geben geben wir dem Gefühl
das Wort geben wir alles
und bekommen nur dieses Nichts

das uns wieder einmal am Leben
und gegen die graue Gegenwart
wie gegen ein Schaufenster
gedrückt hält
GEHEIMNIS


Wann fragt jemand
wann das Fragen
endlich endet wann

das Ende beginnt
der Anfang aufhört
die Rätsel ihre Augen

und das Geheimnis
seine Segelohren
endlich verlieren

03.11.17


WUNDER


Die Antwort bleibt
eine Eintagsfliege

wenn du
wie an Wunder

noch an die Zukunft
glaubst

31.10.17

PHANTASIE


Gegen mein letztes Gesicht
schlägt gleichwie eine Welle
die Stille wenn dein Genick
und dein Schweigen
ein letztes Mal brechen
kehrt ins dunkle Innere
zum ersten Mal Ruhe ein

28.10.17


SPÄTHERBST


In unseren Knochen steckt
der späte Herbst die Augen
der Abgründe unserer Zeit
zeigen ihr Weiß bald
werden neue Klagen
uns blenden

25.10.17

WAS ICH BIN


Ich bin Dichter der
dunklen Welt und der
Rechtfertigung (müde)

ich seh (niemals)
das Ende und (niemals)
den Anfang

ich bleib was ich bin
und (benenne) was ich tu
und was ich seh

22.10.17

ENTSETZEN


Ihre Gedanken
suchen weder
die Tiefe noch
das Weite ihre

Gedanken von
Starrsinn blind
und betäubt
finden Gehör

19.10.17

VERWIRRUNG


Während aus seinen Tränen
Augen und anderswo nur
Köpfe rollen und aus Tag 
Nacht und Nacht Tag
und anderswo Mittag wird
geht er verwirrt ins Bett

17.10.17

ALPTRAUM V


Man schwimmt in der Leere
man hält den Atem und man hält
die Zeit an man träumt den

Alptraum Leben man zerreißt
die Stille und man zerreißt
das Papier und man erinnert

vergisst schwimmt und ertrinkt
als wär wieder nichts passiert
in der dunklen Leere

15.10.17

























Heute wurde als freiVERS in "mosaik - Zeitschrift für Literatur und Kultur" mein lyrischer Text "Inkognito" veröffentlicht! Ich bin sehr glücklich! Ich würde mich freuen, wenn ihr die Internetseite der Zeitschrift mit meinem Text besucht!
ILLUSION


Während die Welt
erstarrt ebnen uns
alle Fluchtwege

die Künste doch nur
ein Wort und eine Illusion
bleiben für uns
die Grenzen

14.10.17

VERLUST I


Während dein Traum
in Agonie verfällt
stehst du haltlos
zwischen Frau Stille

und Herrn Lärm

und verlierst alles
oder gar nichts

13.10.17


ERINNERUNG III


Nur noch Worte und Namen
fliegen im Kopf 
und im Raum umher
während ich den Flug
der Tage und der Nächte
fast nicht mehr erinnere

und die Stille die einzige
und letzte Erinnerung bleibt

12.10.17

VERGIFTUNG


Wir schlucken das Gift 
Ohnmacht früh und spät
und du und ich und nichts
und niemand ändern
daran was denn Alltag
ist Alltag und der Mensch
bleibt nur Mensch

HASS


Ein Misanthrop ist der Lärm
der auf den Stimmbändern
der Stille tanzt lacht und schreit
und die Ohrenzeugen Tod
und Leben bitter hasst

der Lärm der lacht schreit
und uns und sich selbst
bitter hasst ist und bleibt
unser Alltag

STURZ


Der Himmel ist wie gestern
schwarz wenn ich mich 
taub und blind schreibe
schürt jedes Gedicht nur
die Existenzangst wenn ich

nicht mehr schlafen kann
stürzt der schwarze Himmel
in einen tiefen Schlaf

11.10.17

SUCHE


Der Himmel hängt voll
Ungewissheiten während
auf den dunklen Umwegen
wieder kein Lebenszeichen
der Ironie zu finden ist

du sprichst immer wieder
vom Hier und vom Jetzt
und wo und warum
wir Beide sind bleibt
ein altes Rätsel

10.10.17

FLUCHT


Es fliehen weltwärts
all die Träume nach
dem kurzen Spuk
müder Rätsel
ist die Bleinacht
ein Waise
LICHTJAHRE


In deinen Adern fließt
immer schneller
und schneller das Blut
und dein Gesicht ist
und bleibt nur ein Gesicht

der Unruhe dennoch ist
deine dunkle Zeit
dir Lichtjahre voraus

05.10.17

WINDSTILLE II


Ich träume einen Vorhang
und dieser Vorhang weht als ginge
durch den dunklen Raum der Wind
ich träume weiter und sehe fast

am Ende meines Traumes
nur noch geschlossene Fenster
und geschlossene Türen

ALPTRAUM IV


Eine Regennacht berührt
die dünne Oberfläche

unserer Erinnerung wann
fragt die Zukunft wird
ein Alptraum endlich
Vergangenheit

03.10.17

REANIMATION


Die Eisluft fühlt den Puls
der Mitternacht wann hört
der Wahn wieder auf wann
fängt das Leben endlich
zu atmen an

30.09.17

ERINNERUNG II


Kein Tag tanzt auf Stirn
und Schläfe dessen Takt
ich nicht am Abend noch
erinnern muss

kein Vergessen und kein
Erinnern retten mir
meinen Schlaf

25.09.17

LEBENSEKEL


Es hängen Gedanken 
an uns wie Gewichte 
sie ziehen uns alle
von Scheiße zu Scheiße
doch einzig der Rhythmus
wird Blut in uns bleiben
und niemals gerinnen

23.09.17

OBSESSION


Tag und Nacht liegt auf
Bleizunge das Gift Traum
von keiner Stille und nichts

und niemandem lasse ich
Nacht und Tag mir Wort
und Bild endlich verbieten

17.09.17

ABSCHIED IV


Im Bauch kreist wie Bumerang
ein Schmerz langsam hält
die Psyche still und inne


langsam nimmt von uns
die Sprache Abschied

16.09.17

RÄTSEL


Unser Blick und Traum
sind längst verloren
wir ahnen nicht mehr
was sich hinter Zeilen
und Fenstern verbirgt

vom ersten Moment an
blieb dieses Rätsel
letztes Spiegelbild
SCHWERELOS


Da langsam jeder Augenblick
in deiner Hand zur Glut verkommt 
wird langsam und fast takt-

und fast schwerelos das Herz 
unserer Erinnerung

13.09.17


HERBSTNACHT


Wie die Toten (unter
der Erde) war heut
und gestern
unser Himmel blass
wie die Angst (unter
Hut und Hemd) war
unsere Herbstnacht
gestern und heut 
wieder einmal kalt

04.09.17

ENDLICHKEIT


Alles endet in einem
endlosen Monolog
alles spricht und erzählt
am Ende ohne Ende

letzten Endes
nur von sich 
und uns

30.08.17

KLAGE


Ach Mensch Mensch
was machst du nur
auf ein offenes Ohr

trifft keine Klage
ach Mensch Mensch
halte deinen Mund

11.08.17

VERMISCHUNGEN


Träume sind der leisen Gedanken
leise Zwiegespräche
in Träumen in denen die Worte

und Bilder sich vermischen
vermischen sich die Gedanken
mit den Gedanken
INKOGNITO


Wir tauschen Gesichter
mit der Nacht
wir wollen nicht mehr
dieselbe dünne Luft
wie die Anderen atmen

niemand weiß wo
und wer wir sind


"Inkognito" wurde am 15.10.2017
als freiVERS in "mosaik - Zeitschrift für Literatur
und Kultur" veröffentlicht

http://www.mosaikzeitschrift.at/literatur/freivers-martin-zaglmaier/

09.08.17

EINSICHT II


Die Dinge dieser Welt
sind der Unzulänglichkeit
ein Spiegel

die Welt dieser Dinge
bleibt Oberfläche nur
im Herzen

02.08.17

HEIMKEHR


Urängste streifen
meine Salzhaut ab
in das dunkle Innere
kehren 
dunkle Ironien heim

26.07.17


ENTMUTIGUNG


Alles verkommt nur
zu einer Skizze
alles verlässt die Grenzen
des Möglichen nicht
alles bleibt weniger

als das Meiste
und Nichts

17.07.17

GROTESKE


Während alle Fassaden 
auf unserem grauen Alltag
schwarze Schatten werfen

führten uns alle Wege nur
in noch grüne Fremde

11.07.17

ALPTRAUM III


Alpträume schwärzen 
alle meine Texte 
und Schneegesichter

fliegen bleiern
um mein Papier

10.07.17


LAST


Irgendwie fällst
du nie auf die Schnauze
Idioten fallen nicht
o nein nein wir
tragen
euch
noch!
SELBSTZEUGNIS


Ich drehe mich lieber
im Kreis als den Stillstand
ertragen zu müssen
drum schließe ich Türen
und öffne die Augen

07.07.17

BEWEIS


In Ohnmacht fällt
unsere Ohnmacht
und alles oder nichts 
wird von niemandem
und nichts

wie der Monsun
beweist bewegt

05.07.17

MONOLOG


Während unsere Herzen
und der Plural zerbrechen
wird die Geheimsprache
der Worte
ein letztes Mal müde

28.06.17


(ALP)TRAUMABEND


Die Flammen der Ängste
verbrennen Luft (und Raum)
und vaterseelenallein erlöscht

auf (blut)schwarzer Flur
erstes Vollmondlicht

22.06.17

HOFFNUNG II


Auf den Spuren unserer Blicke
wandelt die Leere
wenn wir endlich erstarrten
wäre der Himmel nicht mehr
nur aus Stein

20.06.17

Der breite Atlasrücken
ist unser Verstand
wenn wir wachen
oder Tag und Nacht 
träumen 

zeigt er uns nur
die kalte Schulter

15.06.17

PROVOKATION


Nur noch die Höflichkeit 
legt dir Worte ins Maul
irgendwann spuckst du
wie die schwarzen Kerne

einer roten Melone
goldene Zähne aus

08.06.17

NEONMOND


Der Abend
verschluckt die Stille
während der Neonmond
unsere Phrasen

und in den Adern
dünnes Blut gefriert
ERINNERUNG I


Ein Tagtraum
blutet Schwärze
aus einer Erinnerung
nachtdunkler Schatten
verhängt 

unsere
todmüden Sinne

27.05.17

ANGST


Auf unserer Trauer
balanciert bleileichter 
Frühlingsregen 
schon gestern gefror 
der Angst kalter Atem

blinde Augen am Schluss 
wird auch die letzte Klangfarbe 
noch still vergehen

22.05.17

BITTERNIS


Im Herzen herrscht
der Rhythmus

alter Elegien
während wolken-

schnell

der Klage Bitternis
mundwärts steigt

21.05.17

ENTDECKUNG


Wenn dunkle Mitternacht
unter Vollmonden schwebt
wird der Weltenraum weiter
und ich entdecke 
mit traumklarem Auge
in toten Winkeln Elegien

19.05.17

LETZTE STIMMEN


Während Worten 
Flügel wachsen 
legt sich Blei 
auf unsere Zungen
während endlos Pupillen
fallen erheben sich 

letzte Stimmen
ein erstes Mal

07.05.17

LICHTBLICK


Am Ende unserer Wege
ist kein Ausweg am 
Ende der Eiszeit streifen 
nur müde Lichtblicke 
tote Horizonte

10.04.17

ABGRUND


Wir decken nunmehr
unsere Wunden mit
Phrasen zu

doch in unsere
Totenschädel
bohren Blicke weiterhin
abgrundtiefe Löcher

07.04.17

ALPTRAUM II


Auf unserem
Geduldsfaden 

balanciert blei-
leichte Leere

auf unseren Luft-
wegen wandelt

unser aller Tod
auf dem Boden der

Tatsachen träumt
unser Alptraum

03.04.17

AUSGEBRANNT


Noch den Atem
der Endzeit einfangen
die Glut unserer
Sprache schüren

noch die Augen im
Strom der Zeit
waschen damit 
auch das allerletzte Bild
endlich verblasst
ZWIEGESPRÄCH


Ich bin ein dummes Kind
ich wusste das schon
wenn Anfangslaute gleich sind…
…nennt man es Alliteration

danke und wie heißt…
oh ich bin ja so dumm
…das nenne ich meist
die größte Untertreibung

31.03.17

ZUVERSICHT


Heute schwirren 
Migränen umher
heute schweben in 
heißer Luft Schmerzen
heute fliegen Krach 
und Dreck über
den Dickschädeln
heute wird es
von früh bis spät
wie gestern sein

30.03.17


Der Mond 
fliegt durch

die Kammern 
der Herzen

wir ziehen 
Stiefel aus

um endlich 
nackten Fußes

durch Asche 
zu waten

29.03.17

RÜCKZUG


Von Stille 
bedrängt
ziehe ich mich 
ins Leben 
zurück
in den Schutz
unserer Hektik

21.03.17

HOSPIZ II


Wer hier liegt ertrinkt
seine Hoffnung im Weiß
stiller Zimmer
wer hier liegt hängt
am Tropf dunkler Ängste
wer hier liegt vergisst
sein Leben -
und erinnert Alpträume
allerletzter Nächte

12.03.17

BETRACHTUNG


Worte werden Bilder
und Bilder
unsere Spiegel
im Spiegel
vollzieht sich
der Wandel
unserer Welt

05.03.17

WOHLSTANDSTANGO


Der Lärm 
der Gegenwart 
verschließt uns 
Augen und Herz
wir lallen uns ein
und streicheln das Ego
wir riechen nur 
unseren Stallgeruch
wir bleiben 
die Ohrenzeugen 
unserer Endzeit

27.02.17

TRANCE


Träume schlaf-
wandeln heut Nacht
ihre Ängste werden
zu kalten Wind-
schatten
nur diese Toten-
stille könnte sie
jetzt noch auf-
wecken

24.02.17

INSPIRATION


Die Worte sind 
entfesselt jetzt 
und schenken
der Freiheit
Luft und Raum

Träume verlieren
ihre letzten Grenzen
und hauchen
der Freiheit Kraft
und Leben ein

21.02.17

TRENNUNG


Nunmehr sind wir
und unser Wort-
schatz getrennt
Ausgangs- und End-
punkt ist unser
letzter Schluss-
strich geblieben

20.02.17

WANDEL


Die Erinnerungs-
bilder wandeln 
sich zu Träumen
die Gegenwart
schwebt in asch-
fahler Abend-
blässe

18.02.17

WINDSTILLE I


Kein Wind gibt uns 
Hoffnung auf Flügel
das Gefühl
von Leichtigkeit

die Erwartungen 
berühren Wolken
während Mensch
und Zeit stillstehen

15.02.17

MIGRÄNE


Der Regen 
fällt auf keine Stirn
um Schmerz 
endlich zu lindern
nur in Träumen 
weht ein
frischer Wind
nur im Schlaf
bleiben der Gedanken 
Schatten übrig

12.02.17

ALPTRAUM I


Erinnerungen
verkommen
zu Zerr-

bildern bald
in meinen
Träumen taucht
mit nie
geahnter Toten-
blässe
dein Gesicht