22.11.15

AN DIE EGOISTEN


Wer nur sich hat,
Bleibt sehr beschränkt.
Auch wenn er mit andren lacht.
Da er niemals an sie denkt.
Auch wenn er gesellig ist
Und wohl Tag und Nacht
Hübsche Frauen vermisst
Und allen Freude macht!

Wer nur sich hat
Und niemals an andre denkt,
Bleibt wohl Tag und Nacht
Und sein Leben lang beschränkt!
Auch wenn er mit allen lacht
Und immer fein gesellig tut,
Seine Witze und Späße macht,
Bleibt er Hanswurst mit totem Blut!

05.11.15

VERZWEIFLUNG


Man ist der Einzige auf der Welt,
Der sich in der Stille anschweigt.
Einen Stift in der Hand hält,
Der wohl nicht mehr schreibt.
Dem nichts mehr einfällt,
Den es in den Wahnsinn treibt.

Der Einzige der einen Stift hält,
Der immer hüpft und springt.
Dem aber nichts mehr einfällt.
Dem es um den Verstand bringt.
Man ist der Einzige auf der Welt,
Der gern und oft singt.

Der sich in der Stille anschweigt
Und dem stetig die Zeit verrinnt.
Der sich ohrfeigt und anschreit.
Hart mit sich selbst umspringt.
Dem die Einfallslosigkeit
Wohl noch den Tod bringt.

03.11.15

BALLADE VON DEN 
SCHICKSALSGÖTTINNEN


1

Da wir um den Todesaugenblick wissen,
Den Teppich des Schicksals weben,
Haben wir Menschen in Hades gerissen,
Die einst auf der Erde lebten.
Von Krankheit und Leid umgeben,
Lebt der Mensch wohl nur kurze Zeit,
Muss sich seinem Schicksal ergeben
Und hat sich davon nie recht befreit.

Wir wissen um das Werden und Vergehen.
Um des Menschen Todesaugenblick.
Wir können in die Zukunft sehen
Und weben mit unbesonnstem Geschick!
All die Menschen fühlen sich verloren!
Niemand kann sich vom Schicksal befrei’n.
Es werden auch immer Neue geboren
Und so wird es wohl auch immer sein!

2

Die Seelen schwimmen im großen Meer.
Sie werden alle hin- und hergetrieben
Und irren im dunklen Hades umher
Und finden keinen Frieden.
Sie schreien wie die alten Weiber.
Man hört ewig ihre Schreie Widerhall.
Doch wir weben immer fleißig weiter.
Denn Menschen sterben überall.

Da wir um den Todesaugenblick wissen,
Den Teppich des Schicksals weben,
Haben wir Menschen in Hades gerissen,
Die einst auf der Erde lebten.
Sie leben nun hier in ewiger Qual
Und ihre Seelen werden immer schreien.
Sie vermögen sich wohl vom Schicksal
Alle niemals recht befreien!

02.11.15

GEDANKEN 
IM MORGENREGEN


Die Menschen sind wohl soeben
Aus dem Schlaf und dem Bett gekrochen
Und rennen jetzt durch dichten Regen
Und spüren so große Regentropfen.

Viele sind wohl grad erst aufgewacht
Und werden bei jedem Schritt immer müder!
Doch sie rennen durch die stille Stadt
Und stets an dunklen Häuserreih’n vorüber.

Ihr Weg und ihr Tag sind noch sehr lang
Und dieser Regen möcht kein Ende kennen!
Sie müssen schon an ihres Tages Anfang
Solche weiten Strecken laufen und rennen!

All diese Menschen sind wohl soeben
Aus dem Schlaf und dem Bett erst gekrochen!
Nun rennen sie, um sich nicht zu verspäten,
Und vor ihnen liegen lange Tage und Wochen.


01.11.15

BALLADE VON DEN VANDALEN


Dort in der prachtvollen Stadt,
Wo die Vandalen befehlen:
„Die Tore werden aufgemacht!“
Und einen jeden Römer bestehlen,
Ward zerstört Roms Pracht.

Dort in der unruhigen Stadt,
Rennen die Menschen umher
Und sind furchtbar aufgebracht,
Finden im Chaos nicht mehr,
Was man ihnen gestohlen hat.

Dort in der glanzvollen Stadt,
Wo Statuen und Tempel strahlen,
Ward der goldene Glanz matt
Und Römer von Vandalen
Am hellen Tage umgebracht.

Dort in der feudalen Stadt,
Wird ohne schlechtem Gewissen
Über die vielen Toten gelacht
Und dem Römer fortgerissen,
Was er Wertvolles im Hause hat.

Dort in der zerstörten Stadt,
Rennen die Vandalen fort,
Wird jeden Tag, jede Nacht,
An Plünderung, dem Mord,
Im glanzlosen Rom gedacht.