28.07.15

BALLADE VOM GASTGEBER 
ELAGABAL


1

Ich heiße Dich herzlich willkommen
In meinem bescheidenen Palast!
Du hast noch nichts zu Dir genommen?
Setz Dich nieder! Und sei mein Gast!
Probier die zarten Papageienleber!
Kamelhufen sind sehr zu empfehlen!
Ich habe angenehme Betten und Bäder!
Meinem Gast soll es an nichts fehlen!

Drum gibt es einen knusprigen Pfauen,
Den meine Köche nun hereingetragen!
Du kannst mir ruhig vertrauen!
Dir Deinen Bauch damit vollschlagen!
Es gibt auch wohlgeformte Frauen!
Welche uns die Fressorgie vergeben!
Sie sind gar hübsch anzuschauen,
Da sie sich zur Musik bewegen!

2

Wir haben viel geredet und gelacht!
Ließen amüsiert die Zeit hingehen!
Nun bist Du aber vollgestopft und fad
Und willst Abschied von mir nehmen!
Doch da Blüten durch Lüfte schwebten
Habe ich recht vom Herzen gelacht!
Denn ich liebe diesen Blütenregen,
Der Dich so süß getötet hat!

Ich heiße jeden herzlich willkommen
In meinem bescheidenen Palast!
Jeder hat stets zu Essen bekommen 
Und war gern bei mir zu Gast!
Ich liebe all die prächtigen Feste,
Wie von den Blüten das Rosarot! 
Alle meine Freunde und Gäste
Sterben stets einen schönen Tod! 
BALLADE VOM STURZ DES
PHAETONS


1

"Oh, Du darfst nicht die Erde
Oder gar den Himmel verbrennen!
Lass ja meine tollen Pferde
Nur nicht ungezügelt fortrennen!
Du musst sie im Griff haben!
Sie sind gnadenlos schnell!
Du fährst fort mit dem Wagen
Und um Dich wird's hell!"

Der Sohn ahnte keine Gefahren,
Der Helios' Rede vernommen!
Er mochte nun endlich fortfahren
Und geschwind wiederkommen!
Er wollte keine Worte mehr hören
Und stieg in den Sonnenwagen.
Der Vater durfte nicht stören
Und dem Jungen ein Wort sagen.

2

Phaeton sah hinunter zur Erde.
Kein Mensch war mehr zu sehen
Und seine rasenden Pferde
Wollten ihn nicht recht verstehen!
In dem unendlichen Himmelsraum
Stürzte der Junge vom Wagen,
Dem weißen Wolkenschaum,
Von seinen Pferden getragen.

Helios weinte über die Schande.
Viele Menschen waren tot.
Die Erde brannte und brannte
Und der Himmel ward glutrot.
Überall Schmerz und Leid!
Heiße Flammen und heiße Tränen!
Der Junge hat bitter geweint
Und konnte Helios nun verstehen.

25.07.15

ENTWICKLUNG


Viele ältere Gedichte verschwinden
In meinen Schubladen.
Möchte sie nicht als gültig empfinden,
Denn den berühmten „roten Faden“
Kann ich in ihnen nicht finden.

Doch wären sie nicht geschrieben,
Auch wenn die Gedichte in Schubladen
Verschlossen und vergessen liegen,
Wäre ich mit meinen Balladen
Wohl heute nicht zufrieden.