28.07.15

BALLADE VOM STURZ DES
PHAETONS


1

"Oh, Du darfst nicht die Erde
Oder gar den Himmel verbrennen!
Lass ja meine tollen Pferde
Nur nicht ungezügelt fortrennen!
Du musst sie im Griff haben!
Sie sind gnadenlos schnell!
Du fährst fort mit dem Wagen
Und um Dich wird's hell!"

Der Sohn ahnte keine Gefahren,
Der Helios' Rede vernommen!
Er mochte nun endlich fortfahren
Und geschwind wiederkommen!
Er wollte keine Worte mehr hören
Und stieg in den Sonnenwagen.
Der Vater durfte nicht stören
Und dem Jungen ein Wort sagen.

2

Phaeton sah hinunter zur Erde.
Kein Mensch war mehr zu sehen
Und seine rasenden Pferde
Wollten ihn nicht recht verstehen!
In dem unendlichen Himmelsraum
Stürzte der Junge vom Wagen,
Dem weißen Wolkenschaum,
Von seinen Pferden getragen.

Helios weinte über die Schande.
Viele Menschen waren tot.
Die Erde brannte und brannte
Und der Himmel ward glutrot.
Überall Schmerz und Leid!
Heiße Flammen und heiße Tränen!
Der Junge hat bitter geweint
Und konnte Helios nun verstehen.

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