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14.11.20

ALLTAGSLIED


Wir waschen
unsere Köpfe
und Wäsche,
und tun wir 
nur einen Schritt
vor die Haustür,
fühlen wir uns
so dreckig
wie nie.

Wir waschen
unsere Köpfe
und Wäsche
und wir sind
dem Müdesein
müde.

24.07.20

REFLEXION


Oft bin ich 
müde.
Oft bin ich 
müde,
wie ich es 
noch nie 
war.

Oft bin ich 
müde,
wie ich es 
noch nie
war
und nie 
sein werde.

10.03.19

04.11.18

ALPTRAUM VIII


Die Kissen bleiben härter
als Steine auf den Wegen.
Wir fallen an den Tagen
und auch an dunklen Nächten
von einem dunklen Alptraum
in einen Andren.
Da an dem langen Abend
kein noch so langes Leben
den lebensmüden Menschen
argloses Träumen lehrt.

27.07.18

LETHARGIE II


Da sich Leben 
nur zum Traum
und der Weg 
nur zum Ziel 
wandelt

spüre ich
unbewusst
den Wechsel 
vom Wachsein
und Müdewerden

13.01.18

HERBST-TRISTESSE


Während Tag und Nacht
wie ein altes Paar 
nach und nach ergrauen
legen sich die Nebel
eines späten Herbstes
fast benommen-müde
auf die müden Augen
totgeglaubter Sinne

17.10.17

INNERE EINKEHR


Man schwimmt in der Leere
man hält den Atem und man hält
die Zeit an man träumt den

Alptraum Leben man zerreißt
das Papier und man zerreißt
den langen roten Faden

und man erinnert vergisst 
schwimmt und ertrinkt
als wär wieder nichts passiert

in der dunklen Leere 
dunklen Innenlebens

02.02.17

VERWANDLUNG I


Morgens dauert 
das An-
ziehen lang
morgens wird man 
zum Flamingo kurz
morgens fällt alles
besonders schwer
weil aller An-
fang schwer ist

16.12.16

INVENTUR


Da ist meines Bettes
weißer Samtbezug
hier das kleine Kissen

und die weiße Decke
da die Leselampe
hier das gute Buch

da der Schlafanzug
und an meinem Bett 
mein geliebter Schuh

15.10.16

LETHAGRIE I


Der Herbst
geht unter

die Netzhaut
hinter 
trüber Ferne 
wartet Schmerz

02.11.15

ALLTAGSTRISTESSE


Alle Menschen sind soeben
aus dem Bett und Schlaf gekrochen.
Alle rennen durch den Regen.
Alle haben nasse Socken.
Alle rennen durch die Stadt.
Alle sind sie Tagediebe.
Alle sind sie müd’ erwacht
und an allen Tagen müde.

Alle Tage bleiben lang.
Alle Menschen bleiben allein.
Alles bleibt vom End’ und Anfang
nur tiefdunkler Widerschein.
Alle rennen durchs kurze Leben
nur mit ihren nassen Socken,
denn die Menschen sind soeben
erst aus Bett und Schlaf gekrochen.

21.08.15

BALLADE VOM BETTLER 
DIOGENES

1

Keiner traut sich recht in meine Nähe,
weil ich nur ein kleiner Bettler bin
und wenn ich aus meiner Tonne sehe…
ach, wie ich von Sonn’ geblendet bin!
Darum bleibe ich im Schatten allein
und will nur vergessen: Mensch und Welt!
Doch ich möcht' nicht länger wütend sein.
Denn ich will nur machen, was gefällt!

2

Dieses stille Lauschen macht Vergnügen.
Ich vernehm' den Lärm aus Land und Stadt. 
Doch ich kann mir selbst allzeit genügen.
Hier hab ich schon oft recht laut gelacht!
Alle sollen immer weitergehen
und mich immer fein in Frieden lassen!
Ich will alle nur aus Fern’ besehen
und im Herzen lieben oder hassen.

3

Diese zarte Sonne strahlt mit Gewalt
und ich seh’ das bunte Menschentreiben!
Mir tun Knochen weh! Ich werde alt!
Ach! Ich will nicht in der Tonne bleiben!
Endlich möcht ich Menschen kennenlernen
und die kalte Finsternis verlassen!
Endlich geh' ich unter gold'nen Sternen!
Endlich renn’ ich durch die hellen Gassen! 

4

Ach, wie wunderschön ist’s hier und dort!
Ach, wie fühl’ ich mich vergnügt geborgen!
Diese Müdigkeit ist plötzlich fort
und der Hass auf Ewig abgestorben!
Diese Sonne kommt vergnügt heraus
und begrüßt die große Heimatstadt!
Hier bin ich ganz sicher und zu Haus
und nicht länger müde oder matt!