Martins Lyrik
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02.06.22
WANN?
Mir ist,
als würde ich
kopfüber
in ein tiefes
Meer
sattgrüner
Brennnessel
springen.
Wie lange
kann ich noch
Luft
und Zeit
anhalten?
Wann
stoße ich
meinen Neid
Schlangen
gegenüber
ab,
wie mein
Körper
meine
Haut?
25.04.22
JAGD
Auch
die vier Bilder
in meinem
Zimmer
haben
auf
meine Seele
Heißhunger.
Auch
in großen
Räumen
schleichen sich
die vier Wände
langsam,
wie Raubtiere,
an
und auch
im Traum
flüstern,
unter
vier Augen,
zwei
Schatten.
26.01.22
IRONIE
DES LEBENS
Die ganzen Menschen blasen sich,
wie große Ochsenfrösche, auf.
Wenn Du nur einmal etwas sagst,
bist Du ein arroganter Hund.
22.01.22
LEBEN
Die Tragik
des Lebens
bedrängt mich
aus jedes
Zimmers
Ecken.
Selbst
wer alles
aus seinem
Leben
vergisst,
hat keinen
freien Kopf.
Selbst
wer einen
freien Kopf
hat,
ist
niemals
frei.
22.10.21
RESIGNATION
Selbst die pralle Purpursonne brennt
die Gedanken niemals fort
und ein Freund, der seine Freunde kennt,
findet kein erlösend Wort.
Alles ist, wie‘s immer war, geblieben
und die Fremde höhnt mal laut und leise
und die Ärsche zieh‘n zufrieden
weiter
ihre Kreise.
25.08.21
NACHMITTAGS-
STURM
Die
Papierlampe
pendelt
abrissbirnengleich
zwischen
der Spinne
und
der Spinne
dichtem Netz
hin
und her
und
die Nacht
hat
die Zeit
vergessen.
10.07.21
LETHARGIE
So
lang.
So lang
lecken
der
Wolkenhunde
raue
Zungen
Berg
und Tal
nass
und feucht.
Auge
und Herz
werden
schwer.
So
schwer.
MAL-
SONNTAG
Die
Farben
sind,
wie ein
süßer
Honig,
zäh.
Ich
atme
fernen,
fernen
Lärm
ein.
Durch
ein offnes
Fenster
dringt
unbeirrt
die Hitze
des Julis.
03.07.21
LIED
DER SCHWARZSEHER
Hinter einer Regenfront,
trägt wohl jede Wolke schwer.
Alles was im Leben kommt,
geht wohl niemals,
niemals, niemals mehr.
Alles säuft die süße Schwärze.
Alles frisst das süße Schwarz.
Alles streut die Nebelkerze
und das war‘s
und das war’s. - Das war’s.
02.07.21
TRÜBE TAGE
Nach einem ewig langen Regen,
hab‘ ich vom kühlen Nass geträumt.
Ich bin kein wirklich großer Freund
von all dem Regentraum und -leben.
28.06.21
SOMMER
Am
Abend
ist die Bettdecke
in dieser Hitze
eine Last.
Am Morgen
wartet
an meinem Haus
türstehergroß
die Langeweile
auf mich.
Gedanke,
weg!
Weg,
Gedanke!
Welche Farbe
hatten
die Augen
von Günter
Grass?
21.06.21
MITTAGS-
MAHL
Auf
dem breiten Tisch
liegt der Rest
einer Forelle.
Eine Gräte
wird
zum Zahnstocher.
Ach!
In dieser Hitze
wäre
die blaue Heimat
unseres Essens
eine Abkühlung.
09.05.21
DAS KLEINERE
ÜBEL
Ein Gedankenleser
liest lieber
die Tageszeitung,
obwohl die Welt
gestern
wieder
unterging.
04.05.21
DEPRESSION
Der Traum ist ferner als der Schlaf
und stürmisch ist der Tränen Fluss.
Ich denk‘, was man nicht denken darf
und mach‘, was man wohl machen muss.
Ich weiß nicht, wer ich wirklich bin.
Ich gehör‘ zu des Tages Dieben.
Die Monde schwimmen her und hin
und keine Seele findet Frieden.
02.05.21
IGNORANZ
Die Ellenbogen bleiben scharf,
wie‘s sonst die scharfen Messer sind
und Freunde, die man gestern traf,
sind heut‘ auf beiden Augen blind.
Kein Freund will seine Freunde kennen
und Wunden gehen immer tiefer
und auch die Freundesfreunde brennen
der Träume Wunderwälder nieder.
11.04.21
TRÄUMEREI
Die Haut
wird blasser
und blasser
und der Tag
wird trüber
und trüber
und Vitamin D
gibt es nur
als Kapseln
und ein alter Ast,
der leise bricht,
wird in zehn Jahren
für zehn Minuten
der Spazierstock
meines Kindes.
DURCH-
HÄNGER
Das
Geräusch
beim Kauen
übertönt
die Gedanken.
Alles
was ich esse
bleibt,
wie Schinken,
zäh.
Das
breite Bett
ruft,
lauter
als die Ferne,
herzbetäubend
laut.
02.04.21
LEBEN XII
Wie
den Menschen
die Zimmerdecke
bedrängt,
bedrängt
den Menschen
der Himmel
und wie Mensch
den Menschen
anschreit,
schreien
die grellen Farben
der Erinnerungen
nach Beachtung.
25.01.21
MORGENGEDANKEN
Des Lebens stille Momente
vertreiben auch den sechsten Sinn.
Doch eine farbenfrohe Fremde,
verspricht ein schnelles Ende
vom Tages trägen Beginn.
Dort wird der Träume Schwarzweiß
zu einer wahren Farbenpracht.
Dort ist es kühl und niemals heiß.
Dort ist es laut und niemals leis‘.
Dort ist der freien Geister Stadt.
19.01.21
GEHEIMNIS
Mich
erinnern
die Flüsse
der Tränen
auf deinen Wangen,
an die feinen Adern,
durch die dein Blut
fließt,
und mich
erinnert
der flache Tränenfluss,
an aller Gedanken
geheime Tiefe.
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