13.09.21

DAUERGAST


Der Irrsinn geht von Haus zu Haus,
um allen den Verstand zu rauben.
Wer lange rastet, rastet aus
und schläft mit off’nen Augen.

Die Wege gehen ihre Wege
und diese Erde dreht sich weiter
und so lang ich noch lach‘ und lebe
wird jedes Luftschloss breit und breiter.

Der Irrsinn steht vor jeder Tür
und begrüßt nette Herrn und Damen,
und jedes noch so kleine Tier,
mit ihrem vollen Namen.

25.08.21

NACHMITTAGS-
STURM

Die 
Papierlampe 
pendelt
abrissbirnengleich 

zwischen 
der Spinne
und der Spinne
dichtes Netz

hin 
und her

und 
die Nacht 
hat
die Zeit
vergessen.

20.08.21

MITPATIENTEN-
MONOLOG

Man sitzt und wartet lang,
als will man Zeit verschenken.
Man möcht’ nicht am Anfang
schon ans Uffjeben denken.

Am Ende ist‘s wie vorher,
als wär’ wohl nischt jewesen
und Kopp und Herz sind schwer
und Alltach bleebt: Dit Leben.

30.07.21

KRANKEN-
ZIMMER

Als würden sich 
die Knie
der Kranken
zuwinken,
fliegen 
die nackten Beine
durch die Luft.

O Lärm!
Überall Lärm!

Wer nicht
in diesem Zimmer 
laut gähnt,
schnarcht 

laut.

10.07.21

LETHARGIE

So
lang.

So lang
lecken
der 
Wolkenhunde
raue
Zungen
Berg
und Tal 
nass
und feucht.

Auge
und Herz
werden
schwer.
So 
schwer.
MAL-
SONNTAG

Die 
Farben
sind,
wie ein 
süßer
Honig,
zäh. 

Ich
atme
fernen,
fernen
Lärm
ein.

Durch
ein offnes
Fenster
dringt
unbeirrt
die Hitze
des Julis.

03.07.21

LIED
DER SCHWARZSEHER


Hinter einer Regenfront,
trägt wohl jede Wolke schwer.
Alles was im Leben kommt,
geht wohl niemals, 
niemals, niemals mehr.

Alles säuft die süße Schwärze.
Alles frisst das süße Schwarz.
Alles streut die Nebelkerze
und das war‘s
und das war’s. - Das war’s.

02.07.21

TRÜBE TAGE


Nach einem ewig langen Regen,
hab‘ ich vom kühlen Nass geträumt.
Ich bin kein wirklich großer Freund
von all dem Regentraum und -leben.

28.06.21

SOMMER


Am Abend
ist die Bettdecke
in dieser Hitze
eine Last.
Am Morgen
wartet
an meinem Haus
türstehergroß
die Langeweile
auf mich.

Gedanke,
weg!
Weg, 
Gedanke!

Welche Farbe
hatten 
die Augen
von Günter
Grass?

23.06.21

WUNSCH-
TRAUM


Die
großen Augen 
sehen weiter,
als ein Mensch
in einer Ewigkeit
bereisen kann.

Die Städte
und Dörfer
spiegeln sich
leicht
an des Himmels
saub’ren Glas.

Ein Schlaflied
weht
durch das Rot
hoher Bäume.

LANGEWEILE



Der

lange Weg

zur Praxis

ist lang

und der Therapeut

macht

ein langes Gesicht

und schweigt,

als würde er

einen langen Film

ansehen


und der

lange Weg

nach Hause

ist lang

und die

lange Nacht

bleibt länger

als der lange,

lange Tag.

22.06.21

DER FLUG
DER 
IGNORANTEN

Menschen
gehen 
taub
und stumm
im Kreis,
um Gedanken
zu Ende
zu denken.

Vögel 
fliegen
auf dem Rücken,
um den Denkern
niemals
ihre Gedanken
anzusehen,
ins grüne Land
Sorglos.

21.06.21

MITTAGS-
MAHL


Auf 
dem breiten Tisch 
liegt der Rest
einer Forelle.
Eine Gräte wird
zum Zahnstocher.

Ach! 
In dieser Hitze
wäre 
die blaue Heimat
unseres Essens
eine Abkühlung.

12.06.21

SEELENQUAL
FÜR J.D.


Durch die spröde Mauer
all der ziegelroten Wolken,
schlüpfen Schmerz und Trauer,
um uns ewig zu verfolgen.

Eine sanfte Seelenqual
reift in jedes Menschen Kind
und des Traumes Welt ist kahl,
wie‘s oft nur die Bäume sind.

Durch die spröde Wolkenmauer
fällt ein sonnenheller Regen
und die Menschen werden grauer,
als ihr ewig graues Leben.

06.06.21

ANSAGE


sei bitte
in meinem
gedankenbüro 
gedanke 
und schrei
panisch
feuer 
feuer

ruf
bitte
auch 
den juni 
an

gib ihn
ab heute
jeden tag
einen 
termin

danke

31.05.21

SOMMER
MHH KMT-
STATION 79

Der 
Schmerz
im Mund
strahlt

in den Hals
und der 
Schmerz
im Nacken

strahlt 
in den Kopf
und die 
Sonne

strahlt
auf eine
ferne,
ferne Welt.

27.05.21

MISANTROPHIE


Das arme Herz... ein Verließ
für uns'ren Häftling „Hass“.
Man will wohl niemals dies
und will wohl niemals das.

Der arme Kopf... ein Knast
für uns'ren Häftling „Wut“.
Man hasst und wird gehasst
und keine Seele ruht.

14.05.21

NACHTGEDANKEN


das weiße 
papier blendet 
heller als der weiße 
himmel 

und des 
doktors weiße 
zähne blenden 
heller als das weiße 
papier

und meines neuen
zimmers weiße
wände blenden 
heller als des 
doktors weiße 
zähne 

in der nacht

12.05.21

IMPRESSION


worttrunken
fliegt 
die finsternis
an des nebelmeeres

kahlen küsten
vorbei
die abgründe
sind 

der wehmutlichter 
neue
heimat

10.05.21

VERLASSEN


Leere Straßen
werden 
trostloser,
als das Schweigen
am Sonntagstisch.

Extreme 
fühlen sich 
wohler
in der Welt,
als Menschen.

Die Wärme
wird Hitze.
Die Kühle
wird Kälte.
Die Antipathie 
wird Hass.
MONOLOG
EINES NEUREICHEN


Das kleine Ding ist nagelneu
und fährt sich total superklasse.
Ich habe geiles Geld, wie Heu
und bitt’ die Looser noch zu Kasse.

Ich bleibe stärker als ein Stier
und alle And’ren zeigen Schwäche.
Die doofen Tauben fliegen mir
gebraten in die Fresse.

09.05.21

DAS KLEINERE
ÜBEL


Ein Gedankenleser
liest lieber 
die Tageszeitung,
obwohl die Welt
gestern
wieder 
unterging.

08.05.21

LEBEN


Der Menschen
wirre Wege
bleiben
vom Erdboden
verschluckt.

Es gibt,
wie das Hier
und Jetzt,
kein Vor
und Zurück.

07.05.21

VERLASSEN


Der 
Menschen
kleine Spuren 
raubt
die See.
Unter
den Sandhügeln
finden
die Soldatenkrabben
keine Ruhe.

04.05.21

DEPRESSION


Der Traum ist ferner als der Schlaf
und stürmisch ist der Tränen Fluss.
Ich denk‘, was man nicht denken darf
und mach‘, was man wohl machen muss.

Ich weiß nicht, wer ich wirklich bin.
Ich gehör‘ zu des Tages Dieben.
Die Monde schwimmen her und hin
und keine Seele findet Frieden.

02.05.21

IGNORANZ


Die Ellenbogen bleiben scharf,
wie‘s sonst die scharfen Messer sind
und Freunde, die man gestern traf,
sind heut‘ auf beiden Augen blind.

Kein Freund will seine Freunde kennen
und Wunden gehen immer tiefer
und auch die Freundesfreunde brennen
der Träume Wunderwälder nieder.

30.04.21

ANGST


Man hört den großen Bluthund
am steilen Ufer bellen.
Im kurzen Traum gefrieren
des Meeres Purpurwellen.

Ein Leuchtturm verliert Gewicht
und zittert klein und dürr.
Vereiste Wolken brechen,
wie Omas Tafelgeschirr.

25.04.21

LEBEN XIII


Man
stürzt sich
ins Leben.
Man fällt
in Abgründe.

Man 
stellt
dem Freund
das rechte Bein.
Man stellt
des Freundes
Freund
das linke Beine.

Man 
schlägt
ein Rad.
Man schlägt
ein Zweirad.
Man schlägt
ein Dreirad

und man 
gibt sich
am Ende
geschlagen.

22.04.21

Der Puls
ist niedriger,
als meines 
Körpers
Gewicht.

Der Gefühle
weite Welten
treiben
auch
den Zeitgeist
aus.

Die Lampe
dreht sich
mozartberauscht
gegen
den 
Uhrzeigersinn.

18.04.21

AUSFLUGS-
IMPRESSION


Die Natur ist
ein schwacher Trost,
aber sie ist
ein Trost.

Das Herz bleibt
schwerer,
als der Körper
schwere Glieder
am frühen Morgen.

Das Ziel
und Zuhause
bleiben,
wie der Himmel,
fern.

17.04.21

SPRÖDE
WELT


Unter
unsren Füßen
brechen
unaufhaltsam
die Straßen.
Die Straßen
sind,
wie der Augen
schwere Lider,
dünn.

Durch 
der Wolken
große Risse
leuchtet
tagtäglich
dunkles Grau.

14.04.21

ERINNERUNG


Der Erinnerung
Schwarzweißbilder
kleben,
schattenstarr,
auf aller Zimmer
spröden Decken.

Der Bücher
komplexe Inhalte
sind vergessen,
wie die Träume
der Nacht

und Mensch
und Blume
lassen
ihre Köpfe
hängen.

11.04.21

TRÄUMEREI


Die Haut 
wird blasser
und blasser
und der Tag 
wird trüber
und trüber

und Vitamin D
gibt es nur
als Kapseln

und ein alter Ast,
der leise bricht,
wird in zehn Jahren
für zehn Minuten
der Spazierstock
meines Kindes.
DURCH-
HÄNGER

Das 
Geräusch
beim Kauen
übertönt
die Gedanken.
Alles 
was ich esse
bleibt,
wie Schinken,
zäh.

Das 
breite Bett
ruft,
lauter
als die Ferne,
herzbetäubend
laut.

07.04.21

ABSURDISTAN


Das böse Blut
raubt jedes Gefühl
und jeder tut,
wie immer, viel
zu viel.

Man lässt, was man
schon immer ließ.
Es lebt kein Tyrann
mit Brei aus Grieß
im dunklen Verließ.

06.04.21

UNTER-
GANG


Paläste
und Hütten
und Tränen
fallen.
Der Funke
der Fantasie
verglüht.

Im Auge
leuchtet
der Flammen
dunkles Azur
den Grenzen
ihren Weg.

04.04.21

SELBST-
GESPRÄCH


Ich weiß:
Wer nicht lächelt,
wirkt recht kühl.
Aber 
wenn mich
ein Mensch
anlächelt,
denke ich oft:
Er weiß nicht
was er sagen soll.

Ich weiß:
Das Meiste
was man sagt,
ist falsch.
Aber 
einfach nichts
zu sagen,
ist auch nicht
richtig.

02.04.21

LEBEN XII


Wie
den Menschen
die Zimmerdecke
bedrängt,
bedrängt
den Menschen
der Himmel

und wie Mensch
den Menschen
anschreit,
schreien 
die grellen Farben
der Erinnerungen
nach Beachtung.

01.04.21

und tanzt
mit Sommersonnen


Du schießt 
die Kugel Kunst 
durch der Tränen
hellen Spiegelsäle.
Du schießt Lob 
und Tadel 
durch der Luftschlösser
großmaulgroßen Fenster
und tanzt
mit Sommersonnen 
in den Spiegelsälen
der Tränen
Samba.

31.03.21

AUSWEGLOS


Die Hitze 
würgt 
der Liebesvögel
kleine Kehlen

und Wege 
werden,
bis sie Mauern sind,
immer steiler
und steiler

und die Stille legt
in der Tiere
breiten Nestern
die kalten Füße
hoch.

30.03.21

MONOLOG 
EINES 
WORKERHOLIKERS


Würde lieber Betten 
ganzen Tag beziehen,
als mich in den Städten
in den engen Ecken
zu verstecken

und lieber Böden
oder Tische wischen,
als die Nerven töten,
wenn die ganzen Blöden
von der Freizeit blöken.

15.03.21

REFLEXION


Ich suche 
vergebens
in meinem Inneren
nach einer kleinen Spur
der Menschen,
als müsste ich mir
ihre Existenz 
beweisen.

Das Fiebermeer
meiner Hoffnungen,
verzehrt
seine Lichter
und Küsten.

Der Mensch 
taucht wohl nur
phantomgleich
in meinen Träumen
von Fall
und Flucht 
auf.

16.02.21

DASEINS-
IRRSINN


ferne 
lacht nähe
weint traum
hasst ende
wie aller anfang 
sehnsuchtsstarr
ende

liebt als nah
und fern ferne
kläglich
gelacht

und nähe 
geweint 
hat

14.02.21

NONSENS


schatten 
schneien in

des auges
kristall 
wind

kühlt der 
kühnen 
kühe kühle 

köpfe

09.02.21

GEDANKEN-
EKEL


Mir läuft oft 
ein kleiner Schauder
über den krummen Rücken
und noch öfter spüre ich,
ganz ohne Grund,
eine Gänsehaut

und noch öfter 
rätsle ich kurz,
kürzer als der Schlaf
in der Nacht,
was dieses Gefühl 
bedeutet.
ADERLASS


Die dünnen Adern 
verstecken sich,
wie die Millionen Sterne
am Großstadthimmel.
Eines Fremden Blut
schwappt
in einem großen Gefäß,
schlammdunkel,
umher

und würde es nicht
das Handypiepen
und das Piepen
der Maschinen
und Schwester Karins 
lautes Lachen geben,
wäre es still.

30.01.21

PANIK


Wenn viele Läden dunkel sind,
als hätt‘ sich alles zu Haus verkrochen,
bin ich vor tausend Tränen blind.
Denn jeder Mensch ist wohl seit Wochen
nur Haut und Knochen.

Wenn wohl durch Straßen Kälte fließt 
und Türen und Fenster offensteh‘n,
irrt lauter Herzen leiser Abschied
durch alle Städte, alle Seen,
durch alle Tiefen, alle Höh‘n.

28.01.21

WEINABEND


Wie mir nur der Hitze wilde Wellen
in den schweren Schädel fließen,
während Menschen roten Wein genießen
und darüber auch ihr Urteil fällen.

Wer wohl nichts zu sagen weiß,
fuchtelt eben mit den Armen rum.
Wären nur die Schwätzer alle stumm,
wär‘ mir niemals schrecklich kalt und heiß!

27.01.21

FISCHERNACHT


Vielleicht schweigen irgendwo
müde Fischer in den Booten
und verspeisen Fische roh
und gedenken ihrer Toten.

Vielleicht wird lebhaft gelacht
in der Städte breiten Gassen.
Vielleicht will die triste Nacht
nur die Fischer nie verlassen.

Vielleicht warten sie verträumt,
dass die Silberstreifen strahlen
und vergessen Freund für Freund,
wie der schweren Trauer Qualen.

26.01.21

SPRACHLOS


Durch 
der Federwolken
sattes Rot,
pflügen
die Worte
neuer Sprachen

und wer
die Vögel 
niemals
auf des Geistes
bunten Blitzen 
reiten
sieht,

schweigt.

25.01.21

MORGENGEDANKEN


Des Lebens stille Momente
vertreiben auch den sechsten Sinn.
Doch eine farbenfrohe Fremde,
verspricht ein schnelles Ende
vom Tages trägen Beginn.

Dort wird der Träume Schwarzweiß
zu einer wahren Farbenpracht.
Dort ist es kühl und niemals heiß.
Dort ist es laut und niemals leis‘.
Dort ist der freien Geister Stadt.

20.01.21

Ein Verhaltenstherapeut ist wie ein Restaurantkritiker im Fernsehen, der alles von der Speisekarte isst und kritisiert, und danach denkt: Jetzt wissen die Köche wenigstens, wie man es NICHT macht!

19.01.21

GEHEIMNIS


Mich
erinnern
die Flüsse 
der Tränen
auf deinen Wangen,
an die feinen Adern,
durch die dein Blut
fließt,

und mich 
erinnert
der flache Tränenfluss,

an aller Gedanken
geheime Tiefe.

16.01.21

SONNTAG-
MORGEN


Die Sonne schaut
wohl um die Ecke
und Schatzi kaut,
wie eine Schnecke,
Zwiebäcke.

Mein Magen bleibt,
wie Schädel, leer
und Schatzi weint
und fragt sich sehr:
Wie lang ist‘s her?
GEGENWART


In stillen Stuben hockt 
ein armer Träumer allein
und ehrt ein jedes Wort
und träumt vom fernen Ort
im fernen Dämmerschein.

Das Haus ist seine Welt
und Draußen ist so wahr,
wie das ein bisschen Geld
vom hohen Himmel fällt
und alles wäre wunderbar.

In stillen Stuben sitzt
ein armer Mensch allein
und Wahrheit bleibt ein Witz
und ein Gedanke Blitz
und stilles Wasser Wein.

10.01.21

RÜCKZUG 


Der Mensch,
der nie
seine fettige Haut
verlässt,

und der Mensch,
der nie
- wie ein Vogel -
auf des Lebens
dumme Dinge
herabsieht,

wandelt sich
- für mich -
zum Traum.

08.01.21

ÄRGER


Ihr gebt uns’rem Dasein
immer wieder Schläge.
Ihr werft Stein für Stein,
solang ich noch lebe,
auf die Lebenswege.

Ihr seid arme Kinder!
Ihr wollt Unsinn reden!
Und ich darf der Münder 
tiefe Winkel eben
an die Nase kleben?

03.01.21

TRAUM


Vom 
Kristallhimmel
stürzen 
warme Farben

und in allen Ecken
duftet es ewig,
wie in den ersten Tagen
der Menschheit,
nach feuchter Erde

und in allen Ecken
gießen wir
mit Freudentränen
die Hoffnung.
SELBST-
BESTRAFUNG


Wenn ich nicht 
die richtigen Worte 
finde,
will ich
das Sprechen 
verlernen

und wenn ich nicht 
einen Weg
aus aller Seelen
weiten Wüsten
finde,
will ich auch
das Laufen 
verlernen.